Freundschaften zwischen Mann und Frau

Eine Freundschaft zwischen Mann und Frau scheitert in den meisten Fällen daran, weil du es nicht schaffst, deinen Schwanz in der Hose zu lassen. Ich habe fast 30 Jahre gebraucht, um zu realisieren, was ich dir in diesem Artikel vermitteln werde.

Der altbekannte Mythos von der Freundschaft zwischen Mann und Frau. Du kennst ihn sicher auch: “Eine Freundschaft zwischen Mann und Frau ist nicht möglich! Punkt”. Lange Zeit war das auch meine Ansicht. Bis ich es am eigenen Leib erfahren habe, dass es eben doch möglich sein kann. Aber dazu brauchte es einen langen Entwicklungs- und Erkenntnisprozess. Aber lass mich etwas weiter ausholen…

Wir Männer waren alle mal jung. Ihr Frauen sicher auch, aber leider kann ich nur die Sichtweise des Mannes wiedergeben. Und in der Zeit der Weinfeste, Hausparties und Diskotheken machten wir uns immer besonders schick für unsere “(beste) Freundin”. “Ist das deine Freundin?” – “Was? Nein, NEIN, naahhaaein (verlegenes Glucksen) (unangenehme Pause mit durchdringendem Blick des Fragestellers) Das ist nur EINE Freundin (mit starker Betonung auf den unbestimmten Artikel), wir verstehen uns einfach nur super (irritiertes Hinüberschielen zur weiblichen Begleitung).”

Ich glaubte das tatsächlich. Ich glaubte tatsächlich, dass wir uns super verstanden. Ich glaubte auch tatsächlich, dass ich sie nur als EINE Freundin sah. Nun, ich wollte es wahrhaben. Schließlich genoss ich ihre Nähe, ihre Anwesenheit, ja, ihre ganze Präsenz. Aber die Wahrheit kam spätestens abends ans Licht. Im Bett. Alleine. Besser gesagt, kam sie nicht ans Licht, sondern blieb unter der Decke. Mit meinen Händen, genauer: mit meiner rechten Hand. Ja! Ich stellte sie mir vor, wie wir uns küssten, wie sie mich anschmachtete, wie wir uns liebten und alle meine Probleme durch sie gelöst wurden…

Aber das blieb natürlich nur ein feuchter Traum. Zum eine waren wir schließlich “nur” Freunde, zum Anderen war ich einfach zu schüchtern es ihr zu sagen. Es ist aber auch eine verzwickte Situation: Wenn ich es ihr nicht sage, dann bleiben wir für immer Freunde, werde aber für immer “ein” Freund bleiben. Wenn ich ihr meine unendliche Liebe gestehe, wird sie mich mit hoher Wahrscheinlichkeit mit den Worten “Ich hoffe aber, dass wir Freunde bleiben…” abweisen und mein Herz wird daran zerbrechen. Natürlich kann ich nach der Abweisung keine Freundschaft mehr zu ihr unterhalten, da ein Schlussstrich unter die ganze Sache gezogen werden muss und diese Ausnutzerei endlich ein Ende hat! “Ich habe dich doch nicht ausgenutzt???” – “Wie oft ich dich abgeholt und dich wieder zu Hause abgesetzt habe, ich habe dir sogar Blumen zum Valentinstag geschenkt. Ich hab deine Winterreifen gewechselt, deine Wand tapeziert, quasi deinen Umzug erledigt, deinen Computer repariert und deine Katze gefüttert, als du mit diesem Typen in Urlaub gefahren bist. Du kannst mir doch nicht erzählen, dass du das nicht gemerkt hast!?” Ja, meine lieben Frauen, so ticken manche von uns tatsächlich…

Was also tun? Es ihr verheimlichen und ein Schrecken ohne Ende durchleben? Oder es ihr sagen und ein Ende mit Schrecken in kauf nehmen? Nun, wie du dir vielleicht denken kannst, habe ich mich für letzteres entschieden. Und der obige Dialog ist natürlich nur frei erfunden und beruht nicht auf tatsächliche, wahre Geschehnisse!

Wie du vielleicht gemerkt hast oder vielleicht selbst schon erlebt hast, gibt es zwischen einer Freundschaft von Mann und Frau eine gewisse Schwierigkeit, welche manche Menschen damit umschreiben, dass sie sagen “es würden Gefühle ins Spiel kommen”. Manche gehen sogar so weit, dass sie sagen, es wäre “Liebe” die da dazwischenfunkt. Ich sage es knallhart aus meiner (männlichen) Sicht (wobei ich stark davon ausgehe, dass das ebenso für das andere Geschlecht zutrifft): es ist der SEX, der da dazwischenfunkt. Es ist nicht die Liebe, es ist der Sex. Liebe kennt keine Erwartungen, Liebe schenkt ohne etwas zu wollen. Liebe hofft nicht insgeheim darauf, dass irgendwann sie es endlich bemerkt, was für ein toller Typ (oder Typin) du doch bist. Die Liebe will nicht, dass da “mehr” entsteht. Die Liebe akzeptiert die Dinge, so wie sie sind. Es ist eine Ausdrucksform der Liebe, etwas zu geben, ohne im Gegenzug etwas zu verlangen.

Zeitsprung: 15 Jahre später. Ich bin auf einer Hochzeit (alleine), als Fahrer. Ich sehe ein Mädchen, was absolut meinem Typ entspricht: etwas kleinerer als ich, dunkle Haare, zierliche, aber sportliche Figur. Die Art, wie sie tanzt, verrät mir, dass sie eher der kinästhetische Typ ist. Damit ist geiler Sex vorprogrammiert. Ich merke, wie der Pick-Up-Artist in mir anspringt. Also rein in den Modus und die Rudelführerin angesprochen, Freund mitgenommen, Rudelführerin beschäftigt, konzentration aufs Target. Ich bekomme raus: sie ist Mormonin. Allerdings hat sie sich von ihrem Glauben abgewandt, weswegen sie ihr Elternhaus als “kompliziert” beschreibt. Der Pick-Up-Artist in mir jubelt: “Jackpot – Family Issues! Das ist ein todsicheres Ding!” Ich finde raus, dass sie so etwas wie einen Freund hat. Es ist nicht ihr Freund, aber sie haben da so eine Abmachung, dass sie mit keinem anderen schlafen. Ich nenne das den “Exklusivitätsanspruch”. Für mich überraschend wurde der Exklusivitätsanspruch von ihm geäußert. Nicht durch sie. Für sie ist die körperliche Treue nicht so wichtig, wie es die emotionale ist. Und hier tat sich das Problem mit ihrem Partner auf: Er ließ sich nicht so auf sie ein, wie sie es sich wünschte. Ich bohrte etwas tiefer nach und fand heraus, dass sie sich wünschen würde, er würde offen zu ihr stehen, er würde ihr mehr Aufmerksamkeit schenken. Das übliche Pärchen-Ding also. Stattdessen meldet er sich nur in unregelmäßigen Abständen. Bisweilen kommt die Initiative ganz von ihr. “Es ist anders mit ihm. Es ist etwas, was ich noch nie vorher hatte. Ich fühle mich immer so ratlos und weis nie so richtig, woran ich bin, trotzdem fühle ich mich so zu ihm hingezogen. Aber ich habe für mich selbst die Entscheidung getroffen: wenn es bis Weihnachten nicht konkreter mit ihm wird, beende ich das!” – “Kann es sein, dass du in deinen früheren Beziehungen immer… nicht unbedingt die Hosen an hattest… aber du warst dir immer sicher, dass dich dein Partner liebte!?” – “Ja.” – “Deswegen gehe ich weiter davon aus, dass du die Beziehungen in den meisten Fällen beendetest…” – “…nicht nur in den meisten!” lachte sie. “ “…und du hast sie aus den Gründen beendet, weil du dich nicht mehr gefordert gefühlt hast, sie hat dir nichts mehr gegeben, du hattest das Gefühl von Stillstand…?” – “Woher weisst du das alles?” – “Weil es mir genauso ging.”

Sie war ein 100%iger Kontrollfreak. Genau wie ich. Es ist wichtig für einen Kontrollfreak, die Beziehung emotional zu kontrollieren. Das bedeutet nicht, dass wir nicht liebevoll sein können, ganz im Gegenteil. Wenn wir uns sicher fühlen, können wir unglaublich liebende Wesen sein. Aber wir müssen eben das Gefühl haben, dass der andere uns niemals verlässt, dass er ohne uns nicht mehr leben kann. Und genau aus diesen beiden Punkten resultiert dann das Problem: Wir bekommen das Gefühl, dass der andere uns niemals mehr verlässt und dass er ohne uns nicht mehr leben kann. Die Beziehung ist voll auf den Kontrollfreak ausgerichtet. Der Partner richtet das eigene Leben nach dem unsrigen aus. Das erzeugt eine Menge Druck aber auch das Gefühl von Stillstand. Die eigene Persönlichkeit wird nicht mehr durch den Partner gefordert. Wie soll das auch möglich sein? Fordert uns unser Partner heraus, wird das mit emotionalem Entzug gewürdigt, worauf der Partner, zwar unter lautem Klagen, aber letzten Endes klein beigibt. Und so wiederholt sich das Muster immer und immer wieder – verlieben, emotionale Abhängigkeit erzeugen, Stillstand, Trennung. Die Zeitspanne dieses Zyklus ist aufs äußerste variabel. Meine Beziehungen verliefen zwischen 2 bis 3 Jahre.

Ein Kontrollfreak rastet aus, wie soll es auch anders sein, wenn er eben nicht die Kontrolle hat. So wie mein weiblicher Gesprächspartner. Ich entschuldigte mich auf die Toilette.

Und bemerke, dass ich eine Errektion habe. Es ist nichts ungewöhnliches daran, in solchem Momenten eine Erektion zu haben. Schließlich ist die Atmosphäre zwischen ihr und mir getränkt von Doppeldeutigkeiten mit eindeutigem Bezug. Die Weichen sind quasi gestellt, ich brauche den Sack nur noch zuzumachen. Gerade standen wir auf der Tanzfläche und haben uns gegenseitig Wonderwall von Oasis vorgesungen und dabei intensive Blicke ausgetauscht. Es war ein schöner Moment. Es war ein wirklich schöner Moment.

Ich ging in meinem Kopf durch, wie sich das Ganze wohl entwickeln würde. Wir würden uns ab und zu sehen, Sex haben, erzählen, spazieren gehen, Sex haben, essen gehen, ins Theater, Sex haben und so weiter. Sie würde die Situation mit ihrem jetzigen Partner zwar noch durchleben, aber bei weitem als nicht so intensiv wahrnehmen. Schließlich hätte sie ja Ablenkung. Sie hätte ja mich.

Vielleicht lag es daran, dass ich das erste Mal bei einer Hochzeit nüchtern geblieben bin, aber von irgendwoher meldete sich meine Essenz in mir, die sonst in einem Meer von Alkohol zum Schweigen gebracht wurde. Und diese Essenz riet mir, dieses Mädchen eben nicht zu verführen. Ich hatte alles parat: Familienprobleme, eine wackelige Beziehung, unwichtige körperliche Treue und den Status des erfahrenen Mannes, der dem kleinen Mädchen was erzählen kann. Als ich diesen letzten Punkt am Pissoir nochmal durchdachte, bemerkte ich, dass meine Erektion verschwunden war (Gott sei Dank, sonst wäre das schwierig geworden mit dem Wasserlassen – wir Männer verstehen uns, huh!?). Ich könnte auch nicht der erfahrene Mann sein, der dem kleinen Mädchen etwas beibringt. Ich könnte auch ein Wesen sein, welches ein anderes Wesen an seiner Erfahrung teilhaben lässt und ihm vielleicht damit etwas Gutes tun kann. So ganz ohne Hintergedanken. So formuliert verliert der Gedanke jeglichen sexuellen Inhalt.

Ich entschloss mich dazu, ihr nicht mehr sexuell zu begegnen. Stattdessen erzählte ich ihr, wie ich mit meinem Kontrollfreak in mir umgegangen bin:

Mit meiner jetzigen Partnerin habe ich ein Abkommen, dass wir auch mit anderen schlafen können. In naher Vergangenheit hatte sie jemanden am Start, der nicht nur sehr guten Sex mit ihr machte, sie fingen nach kurzer Zeit an, nicht nur miteinander zu schlafen, sondern auch beieinander. Es mischte sich also zur sexuellen Komponente noch eine emotionale. Es tat weh. Es tat furchtbar weh. Wie man als Mann so ist geht man im Kopf natürlich jedes Detail durch, wie sie sich streicheln, wie sie sich küssen, wie sie sich lieben… Und als die Selbstgeißelung den Höhepunkt erreicht hat, stand ich vor der Entscheidung: mach ich ihr eine Szene, ähm, ich meine natürlich, gebe ich meinen Gefühlen Ausdruck und belade sie mit meinen persönlichen Unzulänglichkeiten und Selbstzweifel, schön verpackt in passiv-aggressive Anschuldigungen… oder schluck ich es einfach herunter und vertraue mir selbst. Vertraue mir selbst in soweit, dass mein Unterbewusstsein eine Strategie entwickelt, mit diesen Emotionen klarzukommen.

Wer einmal die Erkenntnis des obigen Halbsatzes erlangt hat, wird mir zustimmen, dass das keine Option darstellt. Eifersucht und Drama sind in den allermeisten Fällen nur Ausdruck der eigenen Unsicherheit. Wer diese Unsicherheiten auf den Partner projiziert, darf sich nicht wundern, wenn der Partner sich dagegen wehrt. In Fachkreisen spricht man dann von einem “Streit”.

Meine Gesprächspartnerin konnte diesen Gedankengang nachvollziehen. Ich sah in ihrem Gesicht, wie es in ihr arbeitete.

“Schau. Was ich an deiner Stelle tun würde, ist die Beziehung zu deinem Typen für dich umzudeuten. Sehe das nicht als eine Situation, die dich fertig macht, sondern sehe es als eine Situation, an der du dich abarbeiten kannst, als eine Art Mentaltraining. Und Training ist immer mit Anstrengung verbunden. Meiner Einschätzung nach wird der Beziehungszustand, wie du ihn dir von ihm wünschst, bis Weihnachten so nicht eintreten. Und selbst wenn er eintritt, wird die Beziehung durch deinen Kontrollfreak bestimmt, weil dieser ja unbedingt diesen Zustand will. Ich würde dir raten, es einfach auszuhalten. Arbeite dich daran ab und lerne mit so einer Situation umzugehen, denn die Sicherheit, die du dir wünschst, diese Kontrolle, ist nichts als eine Illusion. Selbst wenn er dir nun sagen würde, dass er dir für ewig treu ist, hindert es ihn faktisch nicht daran, dir fremd zu gehen.”

Es arbeitete in ihr. Ich ließ ihr etwas Zeit für sich. Der Abend war sowieso schon weit fortgeschritten. Es stellte sich heraus, dass sie noch eine Mitfahrgelegenheit benötigte. Alle ihre (männlichen) Freunde könnten sie nicht abholen. Ich bot ihr an, sie nach Hause zu fahren.

“Ey Julian, wie läufts mit der Kleinen? Du musst aufpassen nicht in die Friendzone abzurutschen, aber ich seh ja dass du gut dabei bist. Wie gehts jetzt weiter mit ihr? Wirst du sie später noch wämsen?” – “Klar, logo, ist nur noch ne Frage der Zeit, ich fahr sie ja auch nach Hause (augenzwinker).” Es ist schon seltsam wie automatisch manche Konditionierungen greifen.

In meinen Augen ist ein wesentlicher Faktor einer echten Freundschaft zwischen Mann und Frau die sexuelle Komponente zu meistern. Zu den Männern sage ich: Meistert euren Schwanz und ihr meistert nicht nur eure Freundschaften, ihr meistert euer Leben. Ihr Frauen könnt das auf euch übertragen. Nur eben mit weiblichen Geschlechtsteilen. Die sexuelle Komponente zu meistern heißt als Mann, die Frau nicht nur auf die Wahrscheinlichkeit zu prüfen, ob sie mit einem ins Bett springt oder nicht, der Frau nicht auf einer sexuellen Ebene zu begegnen. Verstehe mich nicht falsch: Es ist nichts verwerfliches daran, einer Frau sexuell zu begegnen. Aber tu um Gottes Willen nicht so, als ob du ihr Kumpel werden willst. Wenn du mit der Frau schlafen willst, sag es ihr offen und tu nicht so, als ob die intellektuellen Gespräche das einzige sind, was dich so sehr an ihr fasziniert.

Ich fuhr sie also später nach Hause. Sie war sehr müde. Wir redeten kaum auf der Fahrt. Als wir vor ihrem Haus standen, verabschiedete sie sich und stieg aus. Ich schaute ihr hinterher und wartete, bis sie ins Haus gegangen war. Dann fuhr ich heim. Es war jetzt 04:12 Uhr. Ich hörte nie wieder von ihr.

Es war einer der kürzesten aber bewusstesten Freundschaften, die ich je geführt hatte.

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